Konsequent asozial
02. September 2010 1 KommentarVier von fünf Bundesbürgern halten das „Sparpaket“ für sozial unausgewogen und sie haben Recht. Die Ärmsten der Armen und die Arbeitnehmer werden die Hauptlast der Krise bezahlen. Von einem „fairen Ausgleich“ zwischen Sozialkürzungen und Belastungen „der Wirtschaft“, über den Kanzlerin Merkel gesprochen hat, kann keine Rede sein.
Die Gewinner der Finanzspekulationen bleiben ungeschoren, die Verluste tragen die Arbeitslosen und die sozial Schwachen.
- Streichung von Übergangsgeldern für 155.000 Hartz IV-Haushalte
- Streichung der Pauschale für Arbeitslose in der Rentenversicherung
- Streichung des Heizungskostenzuschusses beim Wohngeld für Geringverdiener
- Streichung von Elterngeld bei Hartz-IV-Empfängern (jetzt komplett, teilweise schon früher gestrichen)
- Die Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Zuschüsse vom Bund auskommen, dass zwingt sie zu weiteren Einschränkungen
- bis 2014 sollen bei Hartz-IV_Zahlungen zusätzlich 3 Milliarden ‚eingespart‘ werden!
Die Krisenverursacher und Krisengewinnler werden nicht herangezogen.
Das ist konsequent asozial!
Quelle: versch. Presseberichte vom Tage 02.09.2010(rk)
1 Kommentar zu Konsequent asozial
Dirk Stegemann
1am 02. September 2010 um 12:08 Uhr
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/debatte/kommentare/asozial-ueber-ein-stigma/
„Asozial“ – über ein Stigma
"Wer sich mit der Geschichte sowie der Entwicklung von sozialer Ausgrenzung und seinen Kontinuitäten und Brüchen bis in die heutige Zeit auseinandersetzt, wird schnell auf das Stigma „asozial“ stoßen. Dabei ist festzustellen: Die Verfolgung von sogenannten Asozialen ist zwar seit langem bekannt, die Forschung und Aufarbeitung dazu wurde aber erst in jüngster Vergangenheit begonnen. Heute noch wird das Stigma benutzt, um die Schuld an sozialen Missständen den Betroffenen selbst in die Schuhe zu schieben."
"Was ist sozial?
Abgesehen davon, dass ein unreflektierter Umgang mit dem Begriff für eine Geschichtsvergessenheit spricht, offenbart dies auch eine sehr fragwürdige Herangehensweise. Denn was sozial ist, wurde zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich definiert und ist nicht zuletzt eine Frage gesellschaftlicher Verhältnisse (u.a. von Macht und Herrschaft, Besitz- sowie Verteilungsverhältnissen und deren Legitimierung). So sind bestimmte Normvorstellungen in einer sozialen Gruppe als normal oder der Norm entsprechend angesehen, in einer anderen Gruppe aber gerade nicht. In letzterer werden sie entsprechend auch nicht notwendigerweise als bewusste Verletzung der Normvorstellung anderer wahrgenommen. Normen und das darauf bezogene Handeln sind also relativ. Eine humanistische Gesellschaft und Demokratie beweist sich gerade auch im Umgang mit jenen, die von der postulierten Norm abweichen. In der heutigen Gesellschaft werden Menschen förmlich gezwungen, von der „Norm“ bspw. der Erwerbstätigkeit abzuweichen. Diese soziale Ausgrenzung braucht Stigmatisierung. Statt sich aber an der Stigmatisierung zu beteiligen, sollte lieber die soziale Ausgrenzung und deren gesellschaftliche Wurzeln bekämpft werden. Die Weiterverwendung des Stigmas „asozial“, egal gegen wen und in welcher Form, ist dafür jedoch ungeeignet!"
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